Als Professor für Technische Mechanik habe ich gerne mit Tools wie Maple, Mathematica oder auch auf Taschenrechner wie den TI 92 zurückgegriffen, um Aufgaben im Bereich der linearen Algebra sowie auch der Analysis zu lösen.
Dabei ist es bei allen diesen Systemen das Gleiche: eigentlich sollte man die Aufgabe schon vorher von Hand gelöst haben, bevor man eines dieser Hilfsprogramme benutzt, denn gerade als Anfänger hat man die Möglichkeit, sehr vieles falsch zu machen.
Daniel Alm ist unbedingt zuzustimmen, wenn er im Vorwort zum Anwendungshandbuch zu PocketCAS 3.3 schreibt:
„Unglücklicherweise hat diese Flexibilität ihren Preis: Es ist nicht immer von vornherein ersichtlich, wie ein bestimmtes Problem am besten mit PocketCAS gelöst werden kann.“ Dies gilt uneingeschränkt für alle Computeralgebrasysteme.
Nun zu PocketCAS 3.10.3 (Versionen für Mac und iPad): Die Beispielcodes lassen sich gut eingeben und es ist sehr einfach, ein Beispiel einzugeben und bis zur Fehlerfreiheit zu korrigieren. Dabei gilt natürlich das oben Gesagte, also eine gründliche Einarbeit in die fast unübersichtliche Syntax. Bei den üblichen Beispielen (also keine Matrizen über 15x15) kommt die Lösung sehr schnell. Dabei ist PocketCAS nicht so formalistisch wie Mathematica (es kommt mir jedenfalls so vor). Insgesamt also ein sehr schönes Tool.
Anregung: Es wäre hilfreich, wenn man auch den Code im Editor ausdrucken könnte und nicht zu Hilfen wie „Kopieren und im Texteditor ausdrucken“ greifen müsste. Das, was man nach einer Berechnung zu sehen bekommt, ist oft nicht identisch mit der Eingabe im Editor, besonders bei Operatoren.
Nicht PocketCAS anzulasten ist das Problem mit der Dokumentation. Die umfangreiche Xcas-Dokumentation umfasst nahezu 400 Seiten und ist schon eine Herausforderung, wobei man bei Grenzfragen zwischen dem Befehlssatz und dessen Anwendung auf PocketCAS immer aufs Probieren angewiesen ist. Die Frage guter Dokumentationen bei derartigen Tools wurde von jeher (oder mindestens seit zwanzig Jahren) auf die Sekundärliteratur geschoben.